Johanni sagt: „Bis zum nächsten Jahr, lieber Spargel!“

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„Bis zum nächsten Jahr, lieber Spargel!“ Mit etwas Wehmut kommt mir dieser Satz über die Lippen. Aber mit ein wenig mehr Wissen, kann ich ihn ertragen:

Es ist leider wieder soweit. Der 24. Juni ist gekommen und damit der„Johanni-Tag“. Dieser kündigt das Ende der Spargelzeit an und wir müssen uns für ein Jahr in Geduld üben! Der Spargel muss sich erholen, indem die Spargelstange zu einem feinblättrigen Busch auswächst. Wir erinnern uns kurz an den Biounterricht: mit diesen Blättern kann er die nötige Photosynthese betreiben und Energie sammeln, um im nächsten Jahr wieder neue Spargelstangen auszutreiben. Diese Energie speichert er in seinen Wurzeln. Jede unserer köstlichen Spargelstangen ist für den Spargel demnach ein Versuch, zu einem Busch zu wachsen. Erfahrunsggemäß versucht er es bis zu 7 Mal. Darum können wir von einer Spargelpflanze maximal 6 Spargelstangen ernten. Die 7 muß man treiben lassen, sonst gibt der kleine Kerl auf. Mit dem Wissen um die große Anstrengung, die er in den letzten Wochen für uns auf sich genommmen hat, gönnen wir ihm diese wohlverdiente Pause von Herzen!

Obwohl wir dieses Jahr sehr viel Spargel in den unterschiedlichsten Varianten gegessen haben, ist es doch eines der wenigen Gemüse, von denen ich einfach nicht genug bekommen kann. Ob es daran liegt, dass ich unterbewußt daran denke, ihn nicht immer kaufen zu können wann ich will? Ich vermute einfach, dass ich spargelsüchtig bin und die Durststrecke bis zum nächsten Jahr mit meinem Ersatz der Aubergine und den Tomaten überbrücken muss. Bevor der Spargel aber für dieses Jahr vom Speiseplan rutscht, haben wir ihn noch einmal ganz traditionell bei meinen Eltern genossen: mit Butter, Kartoffeln und Schinken. Das ist ein Ritual aus meiner Kindheit, in der wohl auch die starke Spargel-Prägung stattgefunden hat. Während der Spargelzeit wurde er uns an jedem Wochenende als Sonntagsessen und auch gerne einmal zusätzlich unter der Woche in verschiedenen Variationen aufgetischt. Obwohl Kinder ja normalerweise recht eigensinnig sind, was das Essen betrifft, hat es hier keinerlei Protest gegeben.

Bei der Zubereitung gibt es seit jeher eine klare Aufgabenverteilung: mein Vater schneidet den Schinken, unbedingt Holsteiner Katenschinken, in kleine mundgerechte Stückchen. Dabei wird nebenbei fleissig getestet, ob er immer noch so gut schmeckt wie eine Sekunde zuvor. Kartoffelschälen übernimmt er anschliessend. Meine Mutter ist für den Rest und insbesondere das Spargelschälen zuständig, denn sie ist eindeutig der Boss in der Küche. Als ich etwas älter war und mich an genügend Mohrrüben ausgetobt hatte, durfte ich ins Schälen mit einsteigen. Das habe ich mit größter Vorsicht und großem Respekt getan. Nichts ist schlimmer, als ein schlecht geschälter Spargel! Nicht umsonst ist Spargelschälen in Küchen eigentlich Chefsache!

Die pure Art, wie zu Hause am Sonntag der Spargel genossen wird, ist für mich immer noch eine der schönsten.

Sie läßt dem Gemüse genügend Raum für seinen zarten Geschmack. Mit frischen Kartoffeln, kräftigem weichen Schinken und flüssiger Butter ist dies für mich DER Geschmack von ersten Sommertagen. Sofort spult mein Gehirrn die damit verbundenen Erinnerungsfetzen ab, die sicher jeder von Euch auf seine eigene Weise kennt. Wie schön, wenn sich so wertvolle Erlebnisse konservieren lassen. Dafür liebe ich den Spargel umso mehr!

Für 4 Personen braucht man:

2Kg weißen Spargel (meine Mutter rechnet immer mit einem Pfund pro Person)

800g Kartoffeln

150g Butter

Holsteiner Katenschinken (wir nehmen mitteldicke Scheiben, pro Person eine und noch eine extra :))

Zucker

Salz

Pfeffer

1 kleines Bund Petersilie

Den Spargel und die Kartoffel schälen. Die Kartoffeln je nach Größe halbieren. Anschließend in kaltem Salzwasser zum Kochen bringen und gar kochen (ca. 20 Minuten sobald sie kochen). 2 große Pfannen (falls vorhanden auch Spargeltöpfe) mit Wasser befüllen und  dieses zum Kochen bringen. Pro Pfanne 1 EL Butter hinzugeben. Mit 1 TL Salz und 1,5TL Zucker abschmecken. Bei Bedarf nehmt ihr mehr. Es sollte schon jetzt den Geschmack haben, der Euch gefällt. In das noch leicht köchelnde Wasser nun die geschälten Spargelstangen geben und wenn alles kocht, die Hitze etwas runterschalten und ca. 15 bis 18 Minuten (je nach Spargeldicke) leicht köcheln lassen. Bei uns werden die Spargel nicht bissfest, sondern eher weich gegessen. Wer also den Spargel lieber mit Biss verspeist, sollte die Zeiten verkürzen.

Den Rest der Butter für die Soße in einem Topf langsam schmelzen.

Die Petersilie fein hacken und zum Bestreuen bereitstellen. Den Schinken in kleine Würfel schneiden. Wenn die Kochzeiten um sind, alles zusammen servieren. Salz und Pfeffer zum Würzen bereitstellen. Ich nehme als Soße zu meinen Kartoffen neben der Butter auch gerne noch das Spargelwasser aus den Pfannen. Und wer noch Spargel über hat kann damit und mit einer einfachen Mehlschwitze später auch noch eine Spargelsuppe machen (dabei Muskatnuss nicht vergessen).

Zum Nachtisch gibt es bei uns natürlich süße Erdbeeren mit Zucker und Sahne. :)

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Zum Kaffee gab es diesen köstlichen Mohnkuchen mit Schokoglasur. Das Rezept muss ich unbedingt noch einmal slebst ausprobieren.

Mohnkuchen2 Mohnkuchen

Meine Mutter ist auch eine kleine Deko-Spezialistin, wenn es um Blumensträuße aus dem eigenen Garten geht! Love it!Rosen Rose

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